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Goce

Titelbild:
Blick in den Innenhof zwischen den vier Türmen des Studentenwohnheims “Goce Delchev”

Das Studentenwohnheim “Goce Delchev” in Skopje ist das grösste Studentenwohnheim in Mazedonien, es fällt aber komplett auseinander. Es ist schimmlig, feucht und dunkel, die Stromversorgung ist unregelmässig, von warmem Wasser ganz zu schweigen. Die Studenten, die dort leben müssen tagtäglich ihr Leben improvisieren, und trotzdem noch das Studium auf die Reihe bekommen auch wenn mitten im Winter die Heizung ausfällt. Der Gebäudekomplex im Stile des sovietischen Brutalismus wurde 1976 errichtet und seitdem nie wieder renoviert. Erst als die Studenten 2014 anfingen auf die Missstände aufmerksam zu machen hat man angefangen den ersten Turm zu sanieren. Doch der Renovierungprozess wird sich noch einige Jahre hinziehen und bis dahin muss ein Grossteil der Studenten im Dreck leben. Nichtsdestotrotz gibt es einen starken Zusammenhalt zwischen den Studenten und sie versuchen jeden Tag aufs Neue das Beste aus ihrer Situation zu machen.

Erschienen im UNISpiegel 02/2015 und bei SpiegelOnline

Die langen und engen Gänge des Studentenwohnheims machen elektrisches Licht auch am Tag unabdingbar. Doch viele Lampen sind entweder kaputt, oder bekommen gar keinen Strom. Die Dunkelheit im Haus verleiht ihm seinen Character.

Der hohen Fluktuation der Bewohner zwischen den Semestern ist die starke Vermüllung geschuldet, die durch den schlechten Zustand des Gebäudes begünstigt wird.

Sims wohnt seit einem Jahr in Goce und berichtet über ihren Alltag.

Sims

Eine alte Matratze steht auf dem Flur.

In Mazedonien ist man generell sehr gastfreundlich. Und in den vielen noch so kleinen Zimmer ist immer Platz für Gäste und Freunde.

Sanja mit ihrem Freund Dragan

Simona kocht das Abendessen für sich und ihren Goce auf einer elektrischen Kochplatte. Keines der Geräte in der Einbauküche funktioniert.

Die Substanz des Studentenwohnheims ist durch Schimmel und Feuchtigkeit zersetzt. An allen Ecken bröckelt mehr als nur der Putz

Antonio

Die Renovierungsarbeiten begannen im Sommer 2014. Dabei musste der ganze Turm entkernt werden.

Abends versammelt sich eine Gruppe von Freunden vor einem Zimmer um dort den Tag ausklingen zu lassen. Sie haben ihre eigenen Stühle mitgebracht.

Die Enden der Flure werden durch Balkone beleuchtet. Ihr Licht reicht jedoch nicht um den gesamten Gang zu erhellen.

Kristina

Vor wenigen Tagen stürzte im öffentlichen Lernraum die Decke ab, nachdem in der siebten Etage eine Toiletten übergelaufen ist. Notdürftig hat man die Decke repariert.

Die Balkone sind der Lichtblick des Lebens im Studentenwohnheim.

Weil ihre Küche nicht funktioniert muss Simona ihren Kaffee auf einer elektischen Kochplatte kochen. Zum Glück gab es an diesem Tag Strom. Die Infrastruktur des Hauses wird den Bedürfnissen der Studenten nicht gerecht.

Zusammen mit ihrem Freund Goce kommt Simona vom Einkaufen wieder. Das Wohnheim ist eines höchsten Gebäude im Umkreis und sticht weithin erkennbar hervor.

Der Ausblick von den Balkonen über die Stadt ist traumhaft.

Die kleinen Zimmer erschweren das Arbeiten und Lernen. Gorgis Mitbewohner Sasko schläft noch während Gorgi mit einem Kommilitonen noch eine Projektabgabe vorbereiten muss..

Sasko

Gorgis Mitbewohner Sasko wacht gerade auf als Gorgis Eltern das Zimmer besuchen. Sein Vater lebte in den 70er Jahren bereits im selben Block.

Gorgi

Das Haus kann der Witterung nicht mehr standhalten. Wenn es draussen regnet regnet es auch im Flur und auf den Zimmern und Pfützen sammeln sich den Gängen. Die meisten Zimmer weisen Wasserschäden auf.

Weil es kein heißes Wasser in den Duschen gibt muss sich Simona Wasser aufkochen um sich damit auf Stube ihre Haare über einem Trog zu waschen.

Zum Wäsche waschen und trocknen gibt es auch keine Räume. Meist wird per Hand gewaschen und getrocknet wo es gerade geht, wie hier auf dem Balkon in der 14. Etage.

Vor einer Prüfung verabschiedet sich Simona von ihrer Mitbewohnerin.

Sasko ist gerade aufgewacht nachdem er die ganze Nacht gelernt hat und raucht nun in seinem Bett.

Ca. 1200 Studenten leben in Goce.

Nach den Prüfungen trifft sich die Gruppe und feiert und singt und tanzt in Gorgis Zimmer. Gorgi spielt auf Fade to Black von Metallica auf seiner Gitarre.

Die Doppelzimmer sind mit 17,5qm recht eng geschnitten und sind schnell voll.

Später weicht die Gruppe auf das Dach des Wohnheims aus.

Blick vom Dach des Wohnheims über den nächtlichen Innenhof. Im Hintergrnud leuchtet die Stadt, doch der Gebäudekomplex verbleibt als ein schwarzes Loch in der Nacht.

Veröffentlichung im UniSpiegel 02/2015

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