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Revolution SKP

Seit Februar 2015 befindet sich Mazedonien in einer politischen Krise. Der Parteivorsitzende der Sozialdemokratische Liga Mazedoniens (SDSM), Zoran Zaev, veröffentlichte Telefonmitschnitte mit brisanten Mitschnitten, die die VMRO-DPMNE und ihrem Vorsitzenden, den aktuellen Ministerpräsidenten Nikola Gruevski mit kriminellen Vorwürfen belasten. Die Staatsanwaltschaft hat bisher keine Anklage erhoben und eine Sonderstaatsanwaltschaft, die СЈО, musste ins Leben gerufen werden.
Die Chefs der vier größten Parteien einigten sich auf vorgezogene Parlamentsneuwahlen am 24. April 2016. Diese wurden jedoch auf den 5. Juni 2016 verschoben und Mitte Mai schließlich abgesagt, da notwendige Vorbereitungen immer noch nicht getroffen waren. Außer der Regierungspartei VMRO-DPMNE konnte sich keine Partei zur Wahl aufstellen lassen, wodurch ein Wahlkampf und eine faire Wahl unmöglich waren und die Wahllisten waren immer noch veraltet.
Zwischendurch kam es immer wieder zu Protesten. Die Bewegung nannte sich colorful revolution/Шарена револуција weil sie sämtliche öffentliche Gebäude und Monumente mit Farbe überzogen.

Die Porta Macedonia ist mit bunte Flecken übersät. Dieses und andere Gebäude entstanden im Zuge des Projekts SKOPJE 2014, das die Innenstadt moderniersieren sollte. Es stellte sich schliesslich als großangelegtes Propagandaprojekt zur Selbstbereicherung der politischen Elite des ohnehin sehr armen Landes heraus.

Mazedonien ist die schwächste Volkswirtschaft Europas und insbesondere die Jugend des Landes sieht ihre Chancen auf ein gerechtes Leben davonziehen.

Die Demonstranten liessen ihrem Einfallsreichtum freien Lauf, wenn es darum ging Farbe zu verteilen. Eine Demonstrantin verteilt gelbe Farbe mit einer Wasserspritzpistole an der Außenmauer des stark an das Weiße Haus angelegten Regierungssitzes.

Das Land sucht wegen seiner starken ethnischen Durchmischung ständig nach einer Identität. Das Projekt SKOPJE 2014 sollte diese nationale Identität durch Hervorheben der hellenischen Vergangenheit, mit unter Anderem Alexander dem Großen, schaffen.

Das Justizministerium in der Innenstadt war auf jeder Demo Fokus der Demonstranten, weil hier bewusst die Verbrechen der aktuellen Regierung in Schutz genommen wurden.

Am 11. Dezember 2016 fanden schliesslich Neuwahlen statt, die jedoch ohne einen klaren Sieger endeten. Die Albanischen Minderheitsparteien nutzten diese Gelegenheit um neue Forderungen zu stellen, da sie nun unabdingbare Koalitionspartner zur Regierungsbildung würden.

Der inzwischen pro forma zurückgetretene Regierungschef Nikola Gruevski ist das Feindbild der Oppostion

Selbst nach seinem Rücktritt schreckten die Demonstranten nicht davor zurück zu seinem privaten Wohnhaus zu marschieren.

Die Regierungsbildung erweist sich als sehr schwierig, da die Albanerparteien auf ihren neuen Forderungen beharren, die gegenüber den Wählern der beiden grossen Mazedonischen Volksparteien nicht erklärbar wären. Gleichzeitig klammert dich die alte Regierung der VRMO-DPMNE an ihre Herrschaft, weil es im Falle es Machtwechsels zu einer flächendeckenden Strafverfolgung in den Reihen der Partei kommen würde.

Insbesondere junge und alte Menschen waren von der Politik der VRMO-DPMNE betroffen.

Eine Seniorin macht ihrer Wut vor dem Parlamentsgebäude laut stark Luft.

Die Renten reichen auch nach einem vollem Arbeitsleben kaum zu Leben. Doch statt diesen Menschen zu helfen, entschloss sich die Regierung mehr Geld in den Ausbau der Innenstadt zu stecken.

Jeden Abend zogen die Demonstranten also bis zum Parlamentsgebäude und katapultierten Farbbomben auf das Gelände.

Die selbst gebauten Katapulte bestanden aus Salatschüsseln, Schläuchen und viel Klebeband

Trotz der aufgeheizten Stimmung, und der offensichtlichen Wut des Volkes blieben die Proteste weitestgehend von beiden Seiten gewaltfrei

Die Demonstranten setzen auf die Symbolkraft ihrer Aktionen. Vor dem Parlament schrieben sie, “Die Farbe kann man abwaschen, aber die Schuld nicht“, auf eine der grössten Strassen der Stadt.

Demonstranten zünden Bengalos vor dem Parlamentsgebäude

Die Demonstrationen waren im Frühjahr zwischen der Polizei und den Demonstranten recht eingespielt. Nachdem dieses immergleiche Schema die Demonstranten in eine gewisse Routine fallen ließ, versuchte die Polizei diese Schwächung zu nutzen und unterbrach kurzer Hand den Zug auf dem Boulevard Goce Delchev, mit Hunderschaften und Wasserwerfern, die jedoch nicht eingesetzt wurden.

Nachdem der Zug im Regen mitten auf der Goce Delchev Brücke zum stehen kam, löste sich die Demo nach einigen Redebeiträgen im strömenden Regen auf. Es sollte die letzte große Demo vor den Wahlen im Dezember gewesen sein.

Die Bunte Revolution hat einen entscheidenden Beitrag zur gerechten Durchführung der Neuwahlen im Dezember 2016 geleistet.

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